XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p032 ·1914-03-13 · original (original)
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Jede Religionsgemeinschaft verbündet sich mehr oder weniger im Laufe ihres Seins dadurch, dass sie wirken muss, mit gewissen Anschauungen, mit den Erkenntnissen ihrer Zeit. So hat sich, wie es ja ganz selbstverständlich ist, die christliche Religion verbunden mit den Vorstellungen der vorkopernikanischen Weltanschauung. Aber dass sie sich mit ihnen verband, war der Ausdruck ihrer Zeit. Kurzsichtig waren die, welche da gesagt haben, die Religion sei gefährdet, wenn jetzt etwas anderes über den Zusammenhang der Weltanschauung gewusst werde. Weitsichtig waren diejenigen, die gesagt haben: Der Gott, den wir in unserem Herzen tragen, der Christus, mit dem wir fühlen, das religiöse Empfinden, das in uns rinnt, das wird wirksam sein, wie auch das übrige Weltbild sich gestalten mag. Und man kann es noch einigermaßen begreifen, wenn die heutigen Religionsgemeinschaften sich gegnerisch verhalten gegen materialistische Weltanschauungen, die auf der Grundlage der Naturwissenschaft sich aufzubauen glauben, die aber von wahrer Naturerkenntnis meist weit entfernt sind.

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