XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p044 ·1914-03-13 · original (original)
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Nehmen wir an, es hätte geschehen können, dass, ehe Kolumbus Amerika entdeckte, Leute zu ihm gekommen wären und gesagt hätten: Da soll es noch andere Gebiete der Erde geben? Das kann nicht möglich sein, denn auf unsere Gebiete der Erde scheint die Sonne so warm, wenn sie noch auf andere Gebiete scheinen müsste, hätte sie nicht genug Wärme für unsere Gebiete übrig. - Andere aber hätten zu Kolumbus gesagt: Gewiss, die Sonne scheint auf andere Gebiete der Erde ebenso wie bei uns. Die, welche mit ihrer Gottesvorstellung so schwachmütig sind, dass sie diese Vorstellung gefährdet glauben, wenn die Menschen ein neues Gebiet, eine neue physische Tatsache entdecken, die gleichen denen, welche die Sonne nicht für stark genug halten, ein neu entdecktes Land zu bescheinen. Aber der, welcher mit seinem Christus leben will, der von seinem religiösen Empfinden stark genug durchdrungen ist, der weiß, dass diese Gottheitsvorstellung, dieses Verbundensein mit dem Christus, diese religiöse Empfindung über alle Gebiete im Physischen und im Geistigen scheinen wird, die der Mensch jemals entdecken wird. Muss man nicht daraus schließen, wie schwachmütig die Gottesvorstellung der Menschen ist, die diese Christusvorstellung gefährdet glauben, weil sie nicht annehmen können, dass in diesem neu entdeckten Geisteslande die Sonne des Geistes so scheinen wird, wie sie in dem alten Gebiet scheint?

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