XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart
Die streitenden Parteien in den Religionsgesellschaften sind heute so wie Menschen, die sich zur Zeit des Kopernikus darüber gestritten haben, was dieser über das Weltensystem zu sagen hatte. Der Streit hört auf, sobald eine positive Unterlage da ist. Eine positive Unterlage zu schaffen, wirklich zu sagen, wie es in der geistigen Welt bestellt ist, über die man sich nur aus dem tastenden Gefühl der Unbestimmtheit der Seele heraus eine Unterlage zu bilden vermochte, das wird die Aufgabe, die Mission der Geisteswissenschaft sein. Und wer in die Seelen der Menschen hineinschaut, weiß, dass es eine Aufgabe ist, die von diesen ersehnt wird.
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GA 69e/1914-03-13/p048 · edition original