XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p063 ·1914-03-13 · original (original)
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Alles, was ich eben ausgeführt habe, ist nicht gesagt worden, um eine tadelnde Kritik zu üben. Wie die Sachen geworden sind, [so] haben sie werden müssen - sie sind notwendig so geworden. Aber charakteristisch ist, was nun der Mensch zu dieser Ordnung zu sagen hat. Der einzelne Mensch kann eigentlich unmöglich so leben, dass sein Leben der Menschenwürde angemessen ist, sondern er sagt: Heute werde ich dies oder jenes tun müssen, das Morgen geht mich nichts an; mag der «blinde Riese» später dann tun, was man nicht wissen kann, das geht uns nichts an. Sombart sagt noch mehr. - Ich erwähne ihn nicht gerade, weil er dieses Buch geschrieben hat, sondern weil das, was er sagt, typisch ist. - Sombart sagt: Diese soziale Ordnung, diese Wirtschaftsordnung ist herangekommen, wir sehen sie den Menschen ergreifen, um ihn seelisch heimatlos zu machen, ihn hineinzuwerfen in das Räderwerk, erbarmungslos hineinzuwerfen. - Und nun ein sehr charakteristisches Wort! Er sagt: Und was haben wir eigentlich für Mittel dagegen? Arbeitsschutzgesetze, Heimatschutzgesetze und Ähnliches. Mittel, die einem im Aufstellen gleichsam grauen. Aber - so drückt er sich aus -, keine weimarisch-königsbergische Weisheitslehre wird jemals etwas an diesem Gang der Wirtschaftsordnung ändern. — Weimarisch-königsbergisch [meint]: eine Weisheit, die von Goethes oder Kants Weltanschauung ausgehen könnte.

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