XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart
So etwas kann von Menschen der Gegenwart noch wenig verstanden werden. Und was nicht verstanden wird, das wird am meisten angefeindet. Was man nicht versteht, dessen Gegner ist man. Das ist ja das Leichteste. Verstehenlernen ist schwieriger. Lachen und Unverständnis ist leichter. Gerade auf dem Gebiete der Gegnerschaft haben sich in Bezug auf den Bau, den wir als Stätte für die Geisteswissenschaft einzurichten suchen, einige Leute eingefunden. Diese Stätte erweist sich schon dadurch als etwas Besonders, was neu in unser geistiges Leben hereinkommt, dass die Leute versuchen, aus allen möglichen Winkeln des Alten heraus bereits Namen dafür zu finden. Karten sind schon gezeigt worden, worauf der Bau «Anthroposophischer Tempel im Bau» genannt wird. Ein Tempel wird es nicht sein, aber man muss eine Bezeichnung haben. Ein Tempel wird es ebenso wenig sein, wie Anthroposophie eine neue Religion oder Sektengründung sein will. Will man einen Namen haben, so kann man sagen: Es wird eine «Freie Hochschule für Geisteswissenschaft». Aber aus den Gründen, die angeführt worden sind, wird sie nichts Antireligiöses haben; sie wird kein Gegner der Religion sein, sondern diese Hochschule wird religiös gestimmte Seelen in ihren Räumen haben. Denn durch das, was ausgeführt worden ist, werden die Seelen durch Geisteswissenschaft so angezogen, dass die Seelen religiös gestimmt sind.
Cite:
GA 69e/1914-03-13/p067 · edition original