XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p069 ·1914-03-13 · original (original)
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Werden einstmals in großem Maßstab Gebäude aufgeführt, bei denen ein solcher Grundton des Geistigen bis ins einzelne Glied, bis in die einzelne Kante hineingeht, und werden die Seelen, die an der Geisteswissenschaft erstarkt sind, ihr nicht als etwas Unverstandenem gegenüberstehen, dann werden wiederum die Menschenseelen, die ihren Himmel auf der sozial konfigurierten Erde nicht gefunden haben, die Liebe mit ihrer Arbeit verbinden. Dann sagen wir nicht: Was wird aus dem «blinden Riesen»? - sondern dann fragen wir: Was wird aus dieser geisteswissenschaftlich religiös gestimmten Menschenseele? Und wir wissen: Unsere Gottesvorstellung, unser religiöses Empfinden ist so stark, dass diese Seele es in künftige Zeiten hinübertragen wird. Wir fragen nicht: Wer weiß, was dann ist? Wir sehen begründet das Wissen, dass unsere Seele durch den Tod geht, dass diese Seele sich ein neues Erdenleben gründet, dass sie das, was sie sich erwirbt, durch den Tod hinauftragen wird in die geistige Welt, sodass es aus der geistigen Welt wiederum wirken wird, bevor die Seele auf Erden wiedererscheinen wird. Wir sagen nicht: Wer weiß, was die Zukunft bringen wird? Wir suchen in der Gegenwart das zu erwerben, was Gewähr dafür bietet, dass die Zukunft der Menschenseele so ist, dass man nicht durch Betäubung des sozialen Lebens sagen kann, der Mensch habe seine Heimat verloren. Sondern man wird dann sagen können: Mag sich auch die kapitalistische Ordnung im Ganzen immer mehr ausbreiten, mag sie den Menschen noch so betäuben — die Menschenseele wird sich finden und wird sich findend wissen, wie fest sie im Boden ihres ursprünglichen Geisteslebens begründet ist. Sie wird sich nicht in eine Welt, von einem «blinden Riesen» geführt, hineinleben, sondern in eine Welt, worin sie sehend ist und auch ihre Wirtschaftsordnung sehend ist. Das wird ihr begründete Hoffnung in die Zukunft hinein verleihen, weil zu dem Gebäude dieser Hoffnung diese Seele selbst die Bausteine herbeiführt. Das mag gegenüber der sozialen Bewegung gesagt sein.

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