2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft

GA 70a/1914-12-02/p015 ·1914-12-02 · original (original)
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Aber nun gibt es eines, das als besonders charakteristisch zu berücksichtigen ist, wenn der Geistesforscher den eben charakterisierten Weg durchmacht. Rufen wir uns noch einmal vor die Seele, worin dieser Weg besteht: Darin besteht er, dass man mit Ablenkung der Aufmerksamkeit von aller äußeren Sinneswelt, mit der gespanntesten, ins Unbegrenzte gesteigerten Aufmerksamkeit nur lebt in Vorstellungen, Begriffen, die die eigene Seele in sich erwecken kann. So lebt man sich hinein in ein allmählich in dieser Art gesteigertes, konzentriertes inneres Leben. Nun ist das Eigenartige: Je mehr es einem gelingt, diese innere Konzentration bis zu einem gewissen Punkt zu treiben, je mehr man dazu gelangt, innere Spannung zu erleben, in der man sich sagt: Du bist jetzt ganz darinnen in dem, was du dir vorgezeichnet hast, du hast vergessen deine ganze Leiblichkeit und Umgebung, du lebst nur in deinen konzentrierten Gedanken, desto mehr merkt man von einer gewissen Stufe an - denn vor dieser wird das innere Gedankenerleben immer stärker und stärker -, merkt man, dass dieses innere Gedankenleben wie in sich selber ein Erlöschen durchmacht, ein immer weniger und weniger Intensives wird. Und ein eigentümliches Erleben tritt auf, das man so beschreiben könnte, dass man sagt: Es ist, wie wenn der Gedanke, auf den man sich konzentriert hat, einen mit allen seinen Seelenkräften mitnähme und sich zerstreute in dem allgemeinen Äther der Welt. Das ist das Ergebnis dieser gespannten, gesteigerten, dieser, man möchte sagen technisch betriebenen inneren Konzentrations- und Aufmerksamkeitssteigerung.

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