2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft

GA 70a/1914-12-02/p025 ·1914-12-02 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Man betrachte einmal das, was man gewöhnlich Schicksal nennt. Dieses Schicksal, wie stehen wir in seinem Strom darinnen? Wir stehen so darinnen, dass - nun, wie wir eben oftmals sagen - wie als Zufall die Ereignisse des Schicksals an uns herantreten und von uns erlebt werden. Wir fühlen uns getrennt in unserer Innerlichkeit von dem, was uns da als Erlebnisse vom Schicksal zufällt. Gegenüber diesen Schicksalserlebnissen muss, um das zweite Element zu erfüllen, der Geistesforscher eine ganz andere Stelle einnehmen als der gewöhnliche Mensch eben einnimmt. Um das zu verstehen, sehe man einmal zurück auf das, was man etwa in der Jugend erlebt hat an diesen und jenen Wechselfällen des Schicksals, und man betrachte sich heute, betrachte das, was man in Bezug auf sein eigentliches Ich eigentlich ist. Man kann sich klarmachen, dass man das, was man ist, nicht wäre, bis in die Einzelheiten hinein nicht wäre, wenn man nicht diesen oder jenen Schicksalsschlag im Guten oder Bösen schon in diesem gewöhnlichen Leben erlebt hätte. Dass man in einem gewissen Augenblick dieses oder jenes so ‚oder so anfasst, sich so oder so dazu verhält, das hängt davon ab, dass man dieses oder jenes in seinem Schicksal erlebt hat. Wenn man nur wirklich unbefangen nachfragt: Was ist man denn eigentlich? Dann muss man sich sagen: Man ist das Ergebnis dieses seines Schicksals. Der Inhalt der Seele, das, was man kann oder wollen kann, ist das Ergebnis des Schicksals.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/70a/1914-12-02/p025.json
Cite: GA 70a/1914-12-02/p025 · edition original