2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
Man kann nun das, was in diesen Gedanken liegt, gewissermaßen zu einer anderen Seelenübung verwenden. Die erste Seelenübung hat uns stark gemacht im konzentrierten Denken, die zweite ist eine solche, die sich auf das fühlende Wollen, auf die inneren Seelenimpulse bezieht, auf das, was man eigentlich als ein Ich ist. Und man kann das, was als solche zweite Übung der Geistesforscher durchmachen muss, zunächst nennen die Meditation über die Wechselfälle, nun, sagen wir zunächst des eigenen Schicksals. Nicht theoretisch, sondern im wirklichen inneren Erleben sich klarmachen, wie man eigentlich das, was man jetzt ist, aus sich gemacht hat, dadurch, dass man dieses oder jenes durchgemacht hat, da wächst man hinein in sein Schicksal, wächst man zusammen mit ihm. Man wächst aus seinem gewöhnlichen Ich, das an Zufall glaubt, heraus, man verwebt sich mit dem Strom des Schicksals, entfremdet sich gleichsam seinem eigenen Inneren, geht in das Schicksal auf und weiß sich fortströmend mit dem Schicksal.
Cite:
GA 70a/1914-12-02/p026 · edition original