2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft

GA 70a/1914-12-02/p039 ·1914-12-02 · original (original)
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Und eine andere Kraft tritt auf: Wir können nicht mehr in einen Leib eintreten. Das, was aber jetzt eintritt, ist die Erinnerung, dass wir im Leibe waren. Das ist das Bedeutsame. Wir würden in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt nicht zu einem Ich[-Bewusstsein] kommen, wenn wir gleichsam Gedanken der höheren Wesenheiten bloß wären; nur dadurch, dass wir immer zurückschauen können in unser vergangenes Erdenleben, dass wir statt des Raumesleibes im gewöhnlichen Leben nach dem Tode einen Zeitenleib haben, dadurch haben wir Selbstbewusstsein. In immerwährendem Zurückschauen auf das Zeitenleben erinnern wir uns an dieses Zeitenleben und entzünden dadurch unser Selbstbewusstsein. Während unser Selbstbewusstsein entzündet wird im gewöhnlichen Leben durch den Raumesleib, wird es entzündet nach dem Tode durch das, was wir die gesteigerte Erinnerung nennen an das, was wir in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode waren. Statt des Raumes tritt die Zeit ein für die geschilderten Verhältnisse nach dem Tode. So sehen wir, wie der Tod seinem Wesen nach eine weckende Kraft hat für des Menschen übersinnliche Wesenheit, wie das, was wir im Tode erleben, uns die Fähigkeit verleiht, nach dem Tode Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wie der Gedanke in uns erstirbt, und unser Selbst entzündet werden muss durch das Aufgehen im Schicksal, so wird der Mensch nach dem Tode sein Selbstbewusstsein entzünden durch das Zurückblicken auf sein Erdenleben.

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