2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
Wie gesagt: Fichte hatte noch nicht Geisteswissenschaft, aber er hatte die Keime, und indem diese Keime zur Entwicklung gebracht werden, entsteht - eben durch eine Wissenschaft, die nicht appelliert an die bloß passive äußere Beobachtung, sondern an die innerlich tätigen Seelenkräfte, durch eine Wissenschaft, die erlebte Wissenschaft sein will -, entsteht Geisteswissenschaft. Dasjenige aber, was diese Geisteswissenschaft der Menschheit bringen will, das soll auch für der Menschen Zukunft und Fortschritt eine reale Kraft sein, eine wirklich reale Kraft. Schicksal und Tod, sie werden sich durch die Geisteswissenschaft ins Leben hineinstellen als zu dem gesamten Erleben des Menschen gehörig. Wie wir ansehen die Vorgänge der äußeren Natur und erblicken, wie auf dem höchsten Gipfel dieser Vorgänge sich das heranbildet, was Menschengestalt und Menschenwesen in dieser äußeren Natur ist, so wird die Menschheit allmählich gerade durch Geisteswissenschaft einsehen, dass das, was der Mensch in seinem innersten, geistig-seelischen Wesenskern ist, was er in dem ist, wodurch er mit dem Ewigen zusammenhängt, dass das ruht in den Kräften, die uns sonst äußerlich unverständlich im Schicksal und im Rätsel des Todes entgegentreten.
Cite:
GA 70a/1914-12-02/p043 · edition original