2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
Wir sehen Menschen und Menschen hinsterben in der Blüte ihres Daseins; wir sehen, wie der äußere Leib sich von dem Menschen loslöst - heute zusammengedrängt in einem kurzen Zeitpunkt -, wie der äußere Leib sich loslöst von der Seele, von der wir voraussetzen müssen, dass sie sonst noch Jahre Kraft gehabt hätte zu durchsetzen dieses physische Leben. Und indem wir hinblicken auf das, als was uns durch diese geisteswissenschaftliche Darstellung der menschliche Wesenskern entgegengetreten ist, sagen wir uns: Wie verhält es sich für einen Menschen, der in der Blüte der Jahre seinen physischen Leib ablegt, also in der geistigen Welt, wo das Selbsterlebnis durch die Erinnerung zustande kommt? Der Eintritt für einen menschlichen Wesenskern, der noch die Kraft gehabt hätte, für viele Jahre das physische Leben zu durchdringen, was bedeutet dieses frühe Sterben? Wie stellt sich da das Schicksal ein? Ich glaube, dass wir am besten zurechtkommen, wenn wir vergleichen den also für sein Vaterland sich Opfernden - was die Zeitereignisse fordern -, wenn wir den seinen Leib Hinopfernden vergleichen mit einem Asketen, der auch das Leibliche in gewisser Weise opfert.
Cite:
GA 70a/1914-12-02/p045 · edition original