2. Die Menschenseele, das Schicksal und der Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft

GA 70a/1914-12-02/p047 ·1914-12-02 · original (original)
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Betrachten wir dagegen - ich kann nicht anders sagen als, ich möchte ganz ohne Sympathie und Antipathie auf die objektiven Ergebnisse der Geistesforschung aufmerksam machen -, betrachten wir denjenigen, der kein Asket ist, der aber seinen Leib opfert, opfert für sein Land und Volk, opfert in der Blüte der Jugend und in sich trägt in die geistige Welt einen geistig-seelischen Wesenskern, der noch lange leben könnte im Leibe; er erlebt durch all die Verhältnisse, unter denen sich sein Tod abspielt, namentlich durch die Verhältnisse, durch die sein Tod zu einem bewussten Tod des Opfers wird, eine Verstärkung auch dieser innerlichen Kräfte, die zum Selbstbewusstsein hinführen; aber jetzt wird dieses, was an Kräften verstärkt wird, nach dem Tode nicht eine Verstärkung im Zurückblicken auf den eigenen Leib, nicht eine Verstärkung des persönlichen Selbstbewusstseins bloß, sondern eine Verstärkung der Kräfte, die weniger hinneigen zu der Gebundenheit an das Leibesleben; gleichsam abgelenkt werden die verstärkten Kräfte vom Leibesleben. Das Selbstbewusstsein, das beim Asketen mehr in Bezug auf das Übersinnlich-Egoistische verstärkt wird, wird bei dem sich auf dem Kampffeld für eine große Sache Hinopfernden so verstärkt, dass die Willensimpulse, die strömenden Gefühlsimpulse verstärkt werden. Alles, was weniger selbstisch ist, wird verstärkt. Und so kommt es, dass diejenigen Kräfte, die ein solcher durchbringt durch die Pforte des Todes, das Selbstlose in [ihm verstärkt haben, und diese bleiben] bei der Volksgemeinschaft, für die der Betreffende sich geopfert hat, oder bei der Sache, für die der Betreffende sich geopfert hat. Der Asket gibt im Grunde genommen das, was er an verstärkten Kräften erlangt, für sich selber aus; der sich in der Blüte der Jugend auf dem Kampffeld oder sonst für die große Sache Opfernde, der gibt das, was ihm das Schicksal abfordert, für ein allgemein Menschliches hin, für eine Menschengemeinschaft hin.

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Cite: GA 70a/1914-12-02/p047 · edition original