12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt
Während wir sonst den gewöhnlichen Gesetzen - die uns die Welt auferlegt - folgend, einen Gedanken auf den anderen Gedanken folgen lassen, versuchen wir in der Meditation und Konzentration, in der inneren Erkraftung und Anstrengung des Denkens, durch innere Willkür gewisse Gedanken, die wir uns durchaus selbst bilden oder die wir irgendwoher gebildet erhalten, in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir bemühen uns nicht nur, uns von der Welt mit Bezug auf das Denken leiten zu lassen, sondern innerlich die Kräfte der Seele so zu konzentrieren, dass diese Kräfte der Seele durch eine längere Zeit hindurch auf eine einzige Vorstellungsreihe eben hingewandt sind. Wir bemühen uns so, eine innere Tätigkeit des Denkens zu entwickeln, welche man sonst im Leben nie entwickelt, und hinzuschauen mit aller innerlich aufzuwendenden Kraft auf einen einzigen Gedanken; das nennt man Meditation, sich konzentrieren auf einen Gedanken.
Cite:
GA 70a/1915-04-09/p021 · edition original