12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt

GA 70a/1915-04-09/p027 ·1915-04-09 · original (original)
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Wenn man nun in der angegebenen Weise durch Meditation und Konzentration, wie sie prinzipiell beschrieben worden sind, das Denken erkraftet, das Denken belebt, dann kommt man dazu, dieses Denken selbst umzuwandeln zu dem, was es im gewöhnlichen Leben nicht ist. Dieses Denken gewinnt dann an innerer Aktivität. Es ist geradeso mit diesem Denken, wie wenn man vor einem Spiegel steht und es so weit brächte, wenn man so scharf innerlich tätig wäre, dass man dadurch das Spiegelbild auslöscht und dann sich gewahr würde, wie man da steht in seiner innerlichen Seelenkraft. So ist es mit dem Denken in der Konzentration. Man löscht die gewöhnlichen Gedanken aus, man lebt aber auf in der denkenden Kraft, und man merkt dann: Da lebt man in etwas auf, was jetzt nicht mehr im Leibe irgendetwas Bedingendes hat; man wird etwas ganz Neues gewahr. Man merkt auch den Unterschied, der darin besteht, dass das gewöhnliche Denken ganz an den Leib gebunden ist; wirft der Leib das Denken nicht zurück als Spiegelbild, so ist es nicht da. Jetzt aber wird man gewahr, dass es ein Denken gibt, das unabhängig ist vom leiblichen Erleben. Wie gesagt, heute ist es noch schwierig, dass der Mensch schon ohne Weiteres aus den gewohnten Vorstellungen und Denkgewohnheiten heraus zugibt, dass also wirklich eine innere Seelenkraft, die dem Denken zugrunde liegt, sich so gewahr wird, dass der Mensch, indem er dieses innere Erlebnis hat, von dem Leibe ganz unabhängig wird. Sodass man sagen kann: Der Denker schlüpft, indem er sich erlebt in der Denkkraft, in seinem Denken selber aus dem Leibe heraus, wird unabhängig von dem Leibe. Jetzt kann er auch beurteilen, dass wirklich diese innere Denkkraft etwas ist, was unabhängig vom Leibe ist. Es ist mit dem Konzentrieren ein realer Prozess erreicht, eine Seele ist etwas anderes geworden, ist das geworden, was sich unabhängig wissen kann vom Leibe.

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