12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der Übersinnlichen Welt

GA 70a/1915-04-09/p032 ·1915-04-09 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wenn man nun aber unbefangen dieses menschliche Leben betrachtet, kommt man schon im gewöhnlichen Leben diesem Schicksal gegenüber zu einer anderen Ansicht. Versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir dasjenige, was wir in diesem Augenblick des Lebens real sind - also nicht abstrakt sind, sondern real sind -, versuchen wir uns klarzumachen, wodurch wir das, was wir sind, in Wirklichkeit sind. Wir können dieses oder jenes; wir tun dieses oder jenes; wir sind imstande, diese oder jene Kraft aufzuwenden, dieses oder jenes von uns abzuweisen. Denken wir einmal nach, wodurch wir das können, wodurch wir das ganze Menschenwesen, das wir jetzt sind, geworden sind, wodurch wir es sind. Wir werden finden, wenn wir zurückblicken in unserem Leben: Da ist vor so und so vielen Jahren dieses oder jenes geschehen, was wie ein Zufall in unser Leben eingegriffen hat. Wäre es nicht geschehen, dass uns das gerade zufiel, so hätten wir das oder jenes nicht getan, wir würden diese oder jene Kraft nicht entwickelt haben, diese oder jene Neigungen nicht erworben haben. So, wie wir heute konfiguriert sind, es ist ein Ergebnis dessen, was uns das Schicksal damals gebracht hat. Nach Jahren sehen wir das ganz anders an. Wir sehen: Das Schicksal hat uns geschmiedet. Wir könnten ja nicht einmal schreiben heute, wenn wir nicht gelebt hätten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, wo man uns das Schreiben beigebracht hat.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/70a/1915-04-09/p032.json
Cite: GA 70a/1915-04-09/p032 · edition original