12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der übersinnlichen Welt
Warum nenne ich diese Übung, die Bezug hat auf das Schicksal, eine Willensübung? Aus dem Grunde, weil der Mensch dazu gelangt, wirklich sich zu sagen: Dieses Schicksal ist mir nicht bloß zugefallen, sondern ich habe es gewollt. So wahr der Wille, den ich entwickle, aus dem Schicksal gewonnen ist, so wahr habe ich mein Schicksal geformt aus meinem Willen heraus. Der Mensch gelangt, wenn er diese Willensübung macht, dazu, seinen Willen aus sich herauszureißen und sich mit seinem Schicksal zu identifizieren. Und so gelangt der Mensch dadurch, dass er sein Denken vertieft und dadurch eine neue Seelenkraft, eine neue Kraft des Denkens entdeckt und dass er seinen Willen herausreißt und ihn zu einer neuen Kraft entwickelt, er gelangt dazu, nicht bloß eine Welt vor sich zu haben wie die Welt der Erinnerung, sondern eine Welt vor sich zu haben, welche er so erlebt, dass er weiß, indem er sie erlebt, dass er unabhängig ist von seinem Leibe, dass er im bloß Geistig-Seelischen lebt.
Cite:
GA 70a/1915-04-09/p038 · edition original