12. Das Wesen der Geisteswissenschaft und die Erkenntnis der Übersinnlichen Welt

GA 70a/1915-04-09/p044 ·1915-04-09 · original (original)
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Wenn wir, nachdem wir so unser eigenes Geistig-Seelisches betrachtet haben und dann dazu kommen, einsehen zu können, dass der Mensch mit seinem Geistig-Seelischen zugleich in eine geistig-seelische Welt von übersinnlichen Vorgängen kommt, kann man wiederum fragen: Wie ist es nun, wenn der Mensch nun auch den Willen zunächst an dem Beispiel des Schicksals ausbildet? Wohin kommt der Mensch, wenn er sich sagt: Mein Wille steckt im ganzen Strom meines Schicksals; ich sage «Ja» zu allem, was mich betroffen hat; ich selber bin herausgeflossen aus dem, was der Strom meines Schicksals ist; ich bin nicht in mir, sondern im Strome des Schicksals? Wenn man das wirklich zum Erlebnis macht, eins zu werden mit dem Schicksal, dann kommt man dazu, noch ein Höheres in der menschlichen Natur zu erleben. Man kommt nicht allein dazu, das zu erleben, was ich beschrieben habe so, dass ich sagte, es ist da vor der Geburt. Sondern wir erleben dadurch, dass wir den Willen ausbilden, einen ganz tief unserer Seele zugrunde liegenden Wesenskern. Und wir lernen allmählich erkennen: Ja, dieses Schicksal, es ist wirklich so, dass nur der Mensch, der dieses Schicksal mit seiner Wesenheit identifiziert, dieses Schicksal richtig erfassen kann. So, wie derjenige, der niemals von Naturwissenschaft etwas gehört hat, wenn er draußen in der Natur Blitz und Donner und andere Naturgewalten vor sich sieht, sich nicht das Warum enträtseln kann, wie das einem solchen Menschen ganz unverständlich vor der Seele steht, aber diese Vorgänge sich von demjenigen, der Naturwissenschaft getrieben hat, erklären [lässt], so wird es mit dem Schicksal bei der geisteswissenschaftlichen Methode. Es kommt in das Schicksal etwas hinein, was wir selbst in unserer tieferen Wesenheit sind. Wir fließen aus in unser Schicksal. Aber indem wir also mit unserem ganzen Wesen in das Schicksal ausfließen, lernen wir unseren inneren Seelenkern kennen.

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