13. Die Übersinnliche Erkenntnis und Ihr Wert für die Menschenseele, Eine Geisteswissenschaftliche Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksalstragende Zeit
Das ist oftmals das Störende für diejenigen, die mit geisteswissenschaftlichen Methoden sich abgeben, dass, indem sie üben und immer wieder ihre Seele fixieren auf diesen oder jenen Gedanken - aber sie müssen es eben wiederholt tun, geduldig, energisch, ausdauernd -, das ist oft das Störende, dass wie mechanisch das ganze innere Handeln wird, so, wie das Atmen für den Leib wird, wo wir uns auch nicht bewusst sind, wie der Impuls des Atmens eingreift. Während wir auf der einen Seite uns hinaufheben in den höchsten geistigen Wachzustand des Bewusstseins, des Gedankens selbst, der uns zu dem, was hinter dem Gedanken steht, führt, zu dem innerlichen Erleben der Denkkraft, werden gerade die Verrichtungen, die wir in immerwährender Wiederholung vollziehen, wie zu etwas Mechanischem, sodass wir allmählich verspüren lernen, wie etwas in diesem losgelösten Seelenleben sich vollzieht, das ihm so eigentümlich ist, in rhythmischer Folge eigentümlich ist, wie dem Leib das Atmen in rhythmischer Folge eigentümlich ist. Wir erleben unsere Leiblichkeit als außer uns, und wir erleben unsere Seele herausgehoben aus dem Leiblichen, so aber, dass sie wie im inneren Handeln ist, mit diesem inneren Handeln aber nun dem Leibe gegenübersteht.
Cite:
GA 70a/1915-05-06/p035 · edition original