13. Die Übersinnliche Erkenntnis und Ihr Wert für die Menschenseele, Eine Geisteswissenschaftliche Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksalstragende Zeit
Wir stehen ja, verehrte Anwesende, auch in unserer schicksalstragenden Gegenwart in schweren, aber auch in Großes verheißenden Ereignissen. Die Frage kann aufgeworfen werden: Welche Empfindungen kann dasjenige, was wir jetzt an kühnen Taten des Mutes, an kühnen Taten der Lebensüberwindung, an edlen Taten der Opferwilligkeit erleben, wie kann das gerade auf eine Seele wirken, die aufnimmt dasjenige, was Geistesforschung der Menschheit geben will? Wir leben ja nicht in einer kleinen Zeit! Seit Monaten zeigen sich uns die Ereignisse in unserer Umgebung so, wie sie sich, man darf wohl sagen in solcher Größe, in solcher Bedeutung der Menschheit überhaupt seit ihrem bewussten geschichtlichen Erleben nicht gezeigt haben. Wenn man zusammenstellt, was nur an verschiedenen Völkerschaften aufseiten der Gegner der mitteleuropäischen Mächte steht, man bekommt, selbst wenn man kleinere Stammesverschiedenheiten gar nicht mitzählt, man bekommt einundzwanzig verschiedene Völker der verschiedensten Erdgebiete. Und wenn man die verschiedenen Völker, die aufseiten der mitteleuropäischen Mächte kämpfen, zählt, man bekommt, wenn man wiederum von kleinen Stammesunterschieden absieht, man bekommt vierzehn kämpfende einzelne Völkerschaften; sodass man sagen kann, über einen großen Teil der bewohnten Erde hin stehen fünfunddreißig Völkerschaften, von kleineren Stammesunterschieden abgesehen, miteinander heute im Kampfe. Und wenn man vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft sein Auge richtet auf dasjenige, was in so gewaltiger geschichtlicher Weise gerade in unsere Zeit eingreift, oh, da bietet sich einem eine ganz besondere Empfindungsnuance dieses Anblickes dar.
Cite:
GA 70a/1915-05-06/p043 · edition original