13. Die Übersinnliche Erkenntnis und Ihr Wert für die Menschenseele, Eine Geisteswissenschaftliche Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksalstragende Zeit

GA 70a/1915-05-06/p050 ·1915-05-06 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wie steht doch ein Denker, der im eminentesten Sinne so ganz wurzelt in der mitteleuropäischen Kultur, wie ein Johann Gottlieb Fichte vor uns. Aus dem innersten Nerv des menschlichen Wollens und Denkens, aus dem vom Wollen getragenen Denken, aus dem vom Denken durchsetzten Wollen heraus sucht er dasjenige im Menschen zu erfassen, durch das der Mensch sich verbinden kann in seinem eigenen Selbst mit dem ewigen, göttlichen Selbst, das durch die Welt waltet und weht. Und so war bei ihm, wie er es auch forderte, eins, was er lebte und dachte und philosophisch erstrebte, so eins, dass, als er durch die Krankheit seiner Frau, die sie sich bei der Pflege der Krieger erworben hatte, dass er bei der Krankheit, die er von seiner Frau übertragen erhielt, in den letzten Stunden seines Fieberwahns, er, der mitteleuropäischste Philosoph, er noch im Fieberwahne lebte in dem unmittelbaren Leben seiner Zeit, in dem Leben, durch das Mitteleuropa dazumal sich befreien wollte von der Tyrannis Westeuropas, mit dem Übergange Blüchers über den Rhein lebte der Philosoph Fichte. Bis in seine Fieberphantasien prägte sich aus diese große gewaltige, innerlich das Leben aufrüttelnde Persönlichkeit, die dazumal ihr Volk gekräftigt und gestärkt hat durch die gewaltigen «Reden an die deutsche Nation».

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/70a/1915-05-06/p050.json
Cite: GA 70a/1915-05-06/p050 · edition original