1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Es ist eine Zeit, in der, möchte man sagen, die äußersten Enden menschlichen Empfindens, menschlichen Fühlens und menschlichen Vorstellens zusammenstoßen, unsere Herzen durchfließend. Tiefes Leid, das sich ausbreitet über zahllose Verluste, Schmerz und Trauer, Blut — das alles gibt gewissermaßen einen Boden, über den sich aber erhebt eine Atmosphäre der Begeisterung, eine Atmosphäre der Beseligung über dasjenige, was die Angehörigen des deutschen Volkes tun dürfen, um in der ehernen, ihnen aufgedrängten Notwendigkeit zu wahren und zu sichern jene Stellung im Weltenlaufe, jene Stellung innerhalb der europäischen Kultur, die sie übernommen haben als ein teures Vermächtnis der Väter, als ein teures Vermächtnis der geschichtlichen Entwicklung Europas selber. In einer solchen Zeit, in welcher sich aus Blut und Waffentaten heraus ein neues Schicksal bildet: Es sprechen allerdings über die allerwichtigsten Dinge der Gegenwart, einer solchen Gegenwart, andere Worte als diejenigen sind, die in einer solchen Betrachtung gesprochen werden können, wie sie die des heutigen Abends ist. Es sprechen, selbstverständlich im figürlichen Sinne, die Waffen. Es spricht der Mut, es spricht die Tapferkeit derjenigen, welche hinausgestellt sind auf die großen historischen Felder unseres gegenwärtigen Geschehens.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p005 · edition original