{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-25/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Will man hineinblicken in die Seele eines Volkes, dann ist es notwendig, zuerst einmal hinzuschauen auf die Wesenheit der einzelnen menschlichen Seelen. Ich kann diejenigen Gedanken, die ich über diese einzelne menschliche Seele öfter hier ausgeführt habe, heute nicht in aller Ausführlichkeit besprechen; ich will sie nur berühren von dem Gesichtspunkte aus, der zu unserer heutigen Betrachtung führen soll. Einzelnes, was heute nur angeführt werden soll, es wird ja gerade die Aufgabe des morgigen Vortrages sein, es weiter auszuführen. Aber indem ich hinweise auf manches, was ich im Lauf der Jahre hier sagen durfte, auch erweisend aus den Grundlagen der Geisteswissenschaft heraus sagen durfte, so sei es zunächst das, dass sich vor dem Blick der Geistesforschung diese menschliche Seele darstellt nicht als das unbestimmte Gewoge inneren Lebens, als welches es sich so oftmals der heutigen, mehr von einer positivistischen —- wie man sagt -, Anschauung angehauchten Seelenlehre darstellt. Der Geisteswissenschaft erscheint dieses Durcheinanderwerfen aller einzelnen Äußerungen und Gliederungen des Seelenlebens - wie da oftmals zu finden ist in der äußeren Seelenwissenschaft von heute — ebenso unwissenschaftlich und ebenso unfruchtbar für eine wahre Lebensbetrachtung, wie ihr erscheinen würde, das Wasser etwa nicht in der wissenschaftlichen Betrachtung zu zerlegen in Wasserstoff und Sauerstoff, wenn man es in seinem Zusammenhang mit den Weltenerscheinungen ins Auge fassen will. Ich habe es öfter ausgeführt, wie hier gerade so, wie der Chemiker zerlegt das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, um es in seinem Zusammenhang im Naturdasein betrachten zu können, so muss der Geistesbeobachter das menschliche Seelenwesen in seiner Gliederung erforschen, in seiner Gliederung, die nicht eine willkürliche Abstraktion ist, die nicht einem bloßen äußeren Urteil entspricht, sondern einem wirklichen Erleben desjenigen, was den ganzen Umfang des menschlichen Seelenlebens ausmacht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit","site_heading":null,"date":"1915-11-25","location":null,"word_count":283,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-25/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}