1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Der Geistesforscher muss gliedern dieses menschliche Seelenleben zunächst in eine Summe derjenigen Vorgänge, die er mit dem Ausdruck Empfindungsseele bezeichnet. Diese Empfindungsseele, sie steht im Zusammenhang mit den elementarischen Wirkungen der menschlichen Seele, mit demjenigen, was sich - ich möchte sagen - in unmittelbarer Weise losringt noch aus dem Physischen, dem Körperlichen heraus. Mit dem steht die Empfindungsseele in Zusammenhang; mit dem, was zum Teile noch in unserem Blute liegt; mit demjenigen, was sich aus unseren inneren Empfindungen losringt zu Impulsen unseres Wesens, ohne dass wir es völlig mit dem Lichte unseres Bewusstseins durchstrahlen können. Seelisch ist die Empfindungsseele, aber sie ist dasjenige Glied der menschlichen Seele, was am innigsten von allen menschlichen Seelengliedern an den Leib noch gebunden ist. Sie ist aber auch dasjenige Seelenglied, welches bewirkt, dass der Mensch sein Seelisches nach außen richtet. Sie ist dasjenige Seelenglied, das die Sinne durchseelt: die Augen, wenn sie hinausschauen in die Welt, die zu beobachten ist für den Menschen; die anderen Sinne, wenn sie in ihre Berührung kommen mit der umliegenden Welt.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p010 · edition original