{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-25/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen wir einmal diejenige Persönlichkeit, auf die hingeschaut wird so oftmals, wenn von der Morgenröte der neueren Weltanschauung gesprochen wird. Nehmen wir Giordano Bruno; er, welcher dem Fanatismus der ihm gegenteiligen Weltanschauung des sechzehnten Jahrhunderts zum Opfer gefallen ist. Wenn wir die eigentümliche Weltanschauung dieses Mannes auf uns wirken lassen - wir fühlen in dieser Persönlichkeit nachklingen und nachtönen dasjenige, was uns entgegenkommt aus Dante. Wir fühlen in ihr, in der Giordano Bruno’schen Weltanschauung, wiederklingen dasjenige, was uns in Farben, in Formenreichtum aus der Malerei eines Raffael, eines Michelangelo entgegenkommt. Was finden wir in alledem? Gerade wenn man sich vertieft in die Art und Weise, wie sich Giordano Bruno zur Welt stellt, wie er sich in die Welt stellt - sich hineinstellt, das ganze Weltall überblickend, durchbrechend dasjenige, was die mittelalterliche Weltanschauung noch gesehen hat wie eine äußere Grenze -, wie die Firmamentgrenze des Weltalls durchbrechend und in den unendlichen Raum hinauszeigend, so wie er es konnte durch seine von innerer Empfindung beseelte Sinneswirksamkeit, so können wir uns sagen: Er hat dieses Weltenbild, das ebenso ein wissenschaftliches wie ein künstlerisches ist, aus der unmittelbaren Empfindung herausgezaubert, aus derselben inneren Seelentätigkeit, durch welche Dante dasjenige, was er vermöge seiner Empfindungen gefühlt hat, zu den einzelnen Angehörigen seines Volkes hineingezaubert hat in das gewaltige Bild, das er entworfen hat von den geistigen Welten, in welche die Seele durch die Todespforte nach seiner Anschauung gehe. Das Wesentliche - es kann das heute nur berührt werden -, an Giordano Brunos Weltanschauung, auch an derjenigen Weltanschauung, die sein Vorgänger - von dem er vieles übernommen hat, die Telesius hatte, auch in derjenigen Weltanschauung, die Galilei in sein Weltbild hineinverwebte, wir sehen überall, dass hauptsächlich betont wird, das Augenmerk des Menschen darauf zu richten, was die äußeren Wahrnehmungen[, was] die Sinnenwelt gibt. Diese Sinnenwelt so zu erforschen, dass man auch alle Kräfte des Verstandes, also Kräfte der Verstandes- oder Gemütsseele, Kräfte der Bewusstseinsseele dazu verwendet, um das sinnliche Bild in Vollkommenheit zu erlangen. Das sehen wir als eine Aufgabe, die sich uns auf diesem Gebiet der Volksseelenkultur eröffnet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit","site_heading":null,"date":"1915-11-25","location":null,"word_count":342,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-25/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}