1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Und der Zeitgenosse des Italieners, des Franzosen, ist eben Bacon auf dem Weltanschauungsfeld, der verweisen will die menschliche Seele, wie ich charakterisiert habe, auf dasjenige, was rein der Gegenstand der äußeren Nützlichkeit ist. Der Zeitgenosse, man mag sonst gegen ihn einwenden, was man will, man mag sich auf welchen Standpunkt stellen, als man will: Charakteristisch für die Entwicklung Mitteleuropas, charakteristisch für die Entwicklung der deutschen Volkskultur ist sie, diese Persönlichkeit - der Zeitgenosse des - ich möchte sagen - sinnlichkeitstrunkenen Giordano Bruno, des Zweiflers Montaigne, des auf die bloße äußere Empirie verweisenden Bacon - ist Jakob Böhme, der tiefsinnige deutsche Mystiker. Er — der, während Giordano Bruno den trunkenen Sinn verbinden will mit der ganzen Welt, der äußeren sinnlichen Welten-Unendlichkeit, der, während Montaigne den Menschen allein weise finden will, wenn er an allem zu zweifeln vermag, der Zeitgenosse des Bacon - ist Jakob Böhme, [der Zeitgenosse gerade jenes Bacon], der, wenn er den Menschen auf ein Wahres weisen will, ihn hinausweist aus alledem, was er in seinem Inneren etwa sich ausdenken, sich ausbilden könnte, und ihn hinweist auf die bloße verstandes- und begriffsmäßige Zusammenfassung der Erscheinungen der Bewusstseinsseele. Der Zeitgenosse dieser drei, die alle drei den Menschen nach außen weisen, ist Jakob Böhme, der in derselben Zeit seinen innerlichen Weg nach jenen Gefilden wandte, welche die menschliche Seele betreten kann, wenn sie ihrer selbst in ihrer tiefsten Innerlichkeit voll bewusst wird.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p030 · edition original