1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Der größte Gewissheitssucher — der Zeitgenosse des größten Zweiflers. Der größte Gläubige an die menschliche Innerlichkeit neben dem größten Ablehner desjenigen, was die menschliche Innerlichkeit über irgendeine Welterscheinung an Gewissheit sagen möchte. Auftauchen sehen wir da in der Morgenröte der neueren Weltentwicklung ein Gemüt aus der deutschen Volkskultur heraus, das sich in den Mittelpunkt des Seelenwesens hineinbegeben will, und das durchleuchten will von der Betätigung dieses Mittelpunktes aus all dasjenige, was in der Empfindungsseele, in der Verstandes- oder Gemütsseele, in der Bewusstseinsseele lebt, wie das Licht in den Farbennuancen, die äußerlich geteilt erscheinen im Rot-Gelblichen, im Grünlichen, im Blau-Violetten. Ich-Kultur, eine Kultur, welche den Weg in das menschliche Innere findet, sucht, weil sie sich klar ist darüber, dass - wenn man nur tiefgründig genug hinuntertaucht in dieses menschliche Innere — man in diesen Tiefen, in dem Abgrund des menschlichen Inneren die Pforte findet zu dem, was noch hinter dem ist, was die trunkene Sinneswissenschaft des Giordano Bruno als Äußeres findet. Das Innere dieses Äußeren weiß Jakob Böhme für sich, nach seiner Gesinnung, nach der Gesinnung seines Weltbildes zu finden - das Innere dieses Äußeren - dadurch, dass er in sein eigenes Innere hinuntersteigt. So finden wir in Europas Mitte schon in der Morgenröte der neueren Menschheitsentwicklung ein Weltenbild der Mystik empfindungsmäßig charakterisiert.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p032 · edition original