1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Nun tritt aber dieses Ich mithilfe der Leibesorganisation der äußeren Sinneswelt gegenüber. Diese äußere Sinnenwelt ist ein Dauerndes, ist ein solches, das sich nicht schaffen kann, folglich ein nicht so Wirkliches, wie das sich immer fortwährend schaffende Ich, ein weniger Wirkliches. Warum tritt dann das Ich, dieses absolut schöpferische Ich, in das hereinfließt das göttlich Ideal, warum tritt es in die weniger wirkliche Sinnenwelt? Weil dieses Ich mit den Ideen, den Idealen, mit der moralischen Pflicht - die in den Ideen, den Idealen, in dieses Ich hereinfließt -, ein Betätigungsfeld braucht, um sich auszuleben. Die Sinnenwelt ist nicht da für Fichte um ihrer selbst willen, sondern, wie er sagt, als versinnlichtes Materielles für die Aufnahme der Pflicht, das heißt der Ideen und der Ideale. Für Fichte ist die Welt da, weil gebietend im geistigen Leben die Pflichten, die Ideen, die Ideale stehen, und weil diese Ideen, diese Ideale brauchen eine Sinnenwelt, um sich zu betätigen. So muss die Sinnenwelt als die Konsequenz der Ideen und Ideale da sein. Wir brauchen heute nicht auf dasjenige einzugehen, was wir auf der Seele haben vielleicht gegen den Geltungsbereich oder den Grundwahrheitscharakter einer solchen Weltanschauung, wir wollen nur eingehen auf die Art und Weise des Volksstrebens. Wir wollen eingehen auf dasjenige, was innerhalb der Seelenkraft des Volkes strebt, um die Wahrheit zu erkennen. Wir wollen den Charakter dieses Volksstrebens verfolgen in jener Zeit, die vorangegangen ist derjenigen, in der das deutsche Volk sich seinen Staat, das äußere Gefüge seiner Betätigung geschaffen hat, für die es jetzt mit Blut und Waffentaten eintreten muss, den es sich aber geschaffen hat, weil es denn doch die Kraft dazu entnommen hat demjenigen, was diesem Staat vorangegangen ist, was aber wurzelt in der tiefsten Eigentümlichkeit der deutschen Volksseele. Und von diesem Gesichtspunkte aus wollen wir auch unsern Seelenblick richten über den Mann, der nun Fichte fortgesetzt hat in einer gewissen Weise, der neben Fichte, nach Fichte gewirkt hat, den vielangefochtenen Schelling.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p039 · edition original