1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Wir könnten vieles anführen, und wir würden überall sehen, wie es deutsche Art ist, zu suchen die Grundlagen, die Quellen, die den Ideen, den Idealen zugrunde liegen, um die Welt nicht bloß als Sinnbild vor den äußeren Sinnen zu haben, sondern als webendes, wogendes Weltenbild der Ideen und Ideale. Und wie dieses Weltbild des Deutschen Idealismus fordert eine solche Ausgestaltung dieser Erkenntnis, dass sie sich sagen kann: Ja, alle äußere Sinnlichkeit ist so, dass eingreifen kann dasjenige, was als Wertvollstes für das Seelenleben da steht: die aus göttlichen Weltenquellen stammenden Ideen und Ideale -, so stellt sich wirklich im Sinne des menschlichen Strebens innerhalb der deutschen Kultur dasjenige, was zu dem Weltbild des Deutschen Idealismus hinstrebt, hinein in die anderen Weltanschauungen. Und ich glaube, der Deutsche darf das eben ganz objektiv als sein Streben bezeichnen, was da charakterisiert worden ist, ohne dass er selber vermeinen könnte, die verleumderischen Anklagen, die jetzt seine Feinde erheben, hätten einen Wert. Er darf sagen: Er suche nicht nach den einzelnen Farbennuancen der Seele; er suche nach dem, was — wie das Licht die einzelnen Farbennuancen durchscheint - so als das Innerste, als das Beste der menschlichen Seele diese einzelnen Farbennuancen durchscheint und durchfließt.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p052 · edition original