1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Und man kann allerdings sagen, sehr verehrte Anwesende, wenn man auf dieses Weltbild des Deutschen Idealismus hinweist, so zeigt man etwas auf, was nicht in jeder Seele leben kann. Gewiss, so erscheint es auch; aber es muss Zweierlei betont werden. Ich kann dieses Zweierlei nur andeuten, aber es könnte auch weiter ausgeführt werden, wenn man auf die Erscheinungen weiter eingeht, auf die eben hingedeutet werden sollte. So groß, so gewaltig war das Wollen in diesem Streben nach dem Weltbild des Deutschen Idealismus, in der Zeit Deutschlands, die die bedeutendste Zeit des idealistischen Ringens war — wie unsere gegenwärtige Zeit zweifellos als die bedeutsamste einstmals erscheinen wird des realen Ringens -, so scheint dieses Weltbild des Deutschen Idealismus in Deutschlands idealster Zeit vor unsere Seele sich hinzustellen, dass wir sagen können: Was die Menschen, die um die Weltanschauungen und die verschiedensten Aufgaben im neunzehnten Jahrhundert und bis heute innerhalb unserer Kultur sich bemüht haben, was sie getan haben, es war, dass sie versuchten, von verschiedenen Punkten aus einzudringen, um diese einzelnen Vertreter des Weltbildes des Deutschen Idealismus genauer zu begreifen. Selbst die Gegner, sie waren immer irgendwie beschäftigt, da oder dort einzudringen, wenigstens um sich herumzuschlagen, um sich kämpfend herumzuschlagen mit diesem Weltbild des Deutschen Idealismus. Und dasjenige, was sich seither an Weltanschauungen und Lebensanschauungen entwickelt hat, wir fühlen selbst bei den gegnerischen Gesichtspunkten überall den Pulsschlag dieses Weltbildes des Deutschen Idealismus. Wir fühlen ihn bis heute in unsere Tage herein. Wir fühlen ihn als etwas, was zum Besten des deutschen Wesens, desjenigen gehört, was sich in diesem deutschen Wesen auslebt. Wir fühlen ihn als einen der charakteristischsten Ausdrücke des deutschen Wesens. Wir fühlen ihn als dasjenige, was symptomatisch bezeichnet die Größe und Kraft der deutschen Sendung, und was als solches bezeichnet werden darf, weil wirklich in solcher Bezeichnung ein Streben liegt, das nicht diese Bezeichnung als Größenwahn erscheinen lassen kann, sondern dass die vollste Bescheidenheit bei dieser Charakteristik mit dieser Charakteristik verbunden ist.
Cite:
GA 70b/1915-11-25/p053 · edition original