{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-25/p056","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehr verehrte Anwesende! Ich bin durch jahrelanges Einleben gerade in dieses Weltbild des Deutschen Idealismus zur vollen Überzeugung gekommen, dass in ihm etwas steckt, was von Kindheit auf sich in die Menschennatur einpflanzen kann, dass es eine Dreiheit gibt, zu der der Mensch erzogen werden kann, zu einem Empfinden des Selbstschöpferischen im Ich, das unmittelbar den Menschen - ich möchte sagen - in all seinem Streben einen religiösen Zug gibt, wie es bei Fichte der Fall war. Nicht Fichtes Philosophie, aber die Kräfte, die in der Fichte’schen Philosophie lebten, auf sich wirken lassen, und sie übertragen auf die allgemeine Kultur, in den einfachen Mann, in jeden Einzelnen, das wird einmal möglich sein. - Gewahr zu werden, dass etwas in der menschlichen Seele lebt, das intim verwandt ist mit der Natur, mit demjenigen, was im Innersten der Natur lebt, diese besondere Gesinnung gegenüber der Natur, dieses Leben mit dem Gemüt gegenüber der Natur, dieses Sich-Empfinden im Schaffen der Natur drinnen -, es braucht wiederum nicht dasjenige, was Schelling als Philosophie gegeben hat, irgendwie populär zu werden, aber die Gesinnung, aus der dieses Weltbild hervorgegangen ist, das kann sich einleben in das einfachste menschliche Gemüt. — Die Tendenz Hegels, dass der Mensch in seine Seele so tief hinuntersteigen kann, dass er da drinnen Zwiesprache halten kann mit der Weltseele selber, dass er, wenn er frei wird von dem Leben in der äußeren natürlichen und sinnlichen Welt, seinen Zusammenklang mit dem Weltengeiste in sich geistig ertönen hören kann, diese Gesinnung gegenüber dem göttlich wirkenden, waltenden Weltengeiste, das wird, ohne dass das Hegel’sche Weltbild mit dem logischen Charakter vielleicht auch nur gewusst wird, von dem, auf den man das, was ich meine, übertragen will -, das wird als Gesinnung angeregt werden können in der einfachsten Seele.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"1. Das Weltbild des deutschen Idealismus Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit","site_heading":null,"date":"1915-11-25","location":null,"word_count":292,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p056","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-25/p056"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-25/p056","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}