4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Auf mancherlei, was dagegen Naturwissenschaft zu sagen hat, blickt Geisteswissenschaft nicht gegnerisch, sondern im Gegenteil ganz verständnisvoll hin. Es wird ja aus Urteilen, aus Erwägungen heraus, aus diesen oder jenen Begriffen, aus Beobachtungen des seelischen Lebens, wie es sich darbietet in der Alltäglichkeit oder auch in der Wissenschaft, dieser oder jener Schluss gemacht innerhalb der gebräuchlichen Psychologie dahingehend, dass dem, was sich in der Zeit zwischen Geburt und Tod in der Menschenseele äußert, ein Geistiges zugrunde liegt, das durch die Pforte des Todes hinausgeht und in eine geistige Welt eintritt; es werden Gründe geltend gemacht aus dieser gebräuchlichen Seelenkunde heraus dahin, dass das Seelenleben des Menschen etwas gegenüber dem äußeren physischen Leben Selbstständiges sei, das in seinem Entstehen und Vergehen nicht abhängig sein könne von den Gesetzen des physischen Lebens.
Cite:
GA 70b/1915-11-29/p006 · edition original