{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-29/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So muss man sagen: Gegenüber dem Schwergewicht naturwissenschaftlicher Gesinnung hat mancher - der auf dem Boden steht, von ewigen Kräften der Menschenseele zu sprechen -, einen schweren Stand. Allein Geisteswissenschaft rechnet völlig mit der naturwissenschaftlichen Gesinnung und den naturwissenschaftlichen Fortschritten der unmittelbaren Vergangenheit und Gegenwart. Ja], sie steht sogar, was den Verlauf des menschlichen Seelenlebens zwischen Geburt und Tod anbetrifft, ihrerseits gerade aus ihren Forschungen heraus vollständig auf dem berechtigten Boden naturwissenschaftlicher Weltanschauung. Sie steht aus Gründen auf diesem Boden, die hervorleuchten werden in ihrer Berechtigung aus mancherlei, was gerade heute wird zu sagen sein. In Bezug auf dasjenige nämlich, was als Denken, Vorstellen, Empfinden, Fühlen, Wollen in der Seele sich entwickelt zwischen Geburt und Tod, was wir in unserem alltäglichen Geistesleben in uns selber sich offenbarend schauen, muss gesagt werden, dass es innig verknüpft ist mit dem Werkzeuge, das unser Körper, unser Physisches uns liefert; aber Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, steht nicht auf dem Boden, dass man die tieferen Seiten, die tieferen Kräfte der menschlichen Seele finden könne, wenn man nur den Blick hinrichtet auf das, was sich in der Zeit zwischen Geburt und Tod innerhalb dieses Seelenlebens abspielt. So wie Geisteswissenschaft auf dem Boden steht, dass das, was in der Natur unmittelbar den Sinnen anschaubar ist, was durch den Verstand auf der Grundlage der Sinneswahrnehmungen erschlossen werden kann - dass das gewissermaßen nur die äußere Offenbarung gegenüber dem Geiste der Natur ist -, so steht Geisteswissenschaft auch auf dem Boden, dass die Tiefen des Seelenlebens auch für dieses alltägliche und im gewöhnlichen Sinn wissenschaftliche Seelenleben hinter seiner selbst erst verborgen ist. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, steht auf dem Boden, dass diejenigen Äußerungen des Seelenlebens, die dem Menschen unmittelbar, so wie er hineingestellt ist in sein Dasein in der physischen Welt, dass diese Seelenäußerungen nicht dasjenige sind, was als Ewiges zu bezeichnen ist, sondern dass man ebenso hinter den Schleier der Seelenerscheinungen, die sich unmittelbar darbieten, blicken muss, um zum wahren Wesen der Menschenseele zu kommen, wie man hinter den Schleier der Naturerscheinungen blicken muss, um zum wahren Wesen des Geistes in der Natur zu kommen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1915-11-29","location":null,"word_count":351,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-29/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}