4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Der Geistesforscher aber ergreift gerade das, was hier zugrunde liegt, und bildet es systematisch aus, indem er gleichsam innerlich experimentell auf das losgeht, was innerliche Erkräftigung des Denkens ist. Dadurch erreicht es dieses, dass er in die Sphäre des Denkens hineinbringt eine ganz andere Art sich zu betätigen, als es gewöhnlich geschieht. Und das geschieht eben im Meditieren. Man versetzt gewisse Vorstellungen immer wieder und wiederum in die denkerische Tätigkeit hinein, aber verrichtet das jetzt so, dass es einem nicht darauf ankommt, irgendeinen besonderen Inhalt über das oder jenes zu bekommen, sondern sieht darauf, dass das Denken gleichsam in sich selber stehen bleibt, in der Betätigung, die darin liegt, gewisse, willkürlich in das Denken versetzte Vorstellungen festzuhalten. Man versetzt das Denken geradezu in einen gewissen stationären Zustand, man verharrt in einem gewissen Gedanken, konzentriert das ganze Seelenleben auf diesen Gedanken zusammen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass man in das Seelenleben hineinversetzt irgendwelche Vorstellungen, die gerade das oder jenes in der äußeren Welt bedeuten, sondern am besten ist es, wenn man Vorstellungen, die man aus den Ratschlägen der Geisteswissenschaft heraus bekommt, verwendet, die man genau überschauen kann; denn wenn man Vorstellungen, die man sonst aus dem Leben aufnimmt, verwendet, dann kann man nicht wissen — weil man mit diesen verbunden war —, ob nicht in diesen Vorstellungen Empfindungsreste, allerlei Willensimpulsreste hängen und man diese heraufbringt. Man ist sozusagen nicht in der Lage, Vorstellungen, die man so aufnimmt, völlig in ihrer Reinheit so zu umfassen, dass man weiß: Aus den Tiefen des Seelenlebens heftet sich nichts an, was einen täuschen kann.
Cite:
GA 70b/1915-11-29/p013 · edition original