{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-29/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben gesehen, dass das Denken so entwickelt werden muss, dass es bis zu einem gewissen Punkte fortschreitet und da sich selber überschreitet, sich gestaltet. Mit dem, was man im gewöhnlichen Leben oftmals Mystizismus nennt, mit dem hat dieser Seelenweg eigentlich sehr wenig zu tun; aber die gewöhnliche philosophische Weltanschauung kennt nur das, was man so nennt. Dieser Mystizismus hat eigentlich etwas ganz äußerlich Ähnliches mit den wahrhaften Wegen in die geistige Welt hinein. Nämlich der gewöhnliche Mystiker - derjenige, der eine Ahnung davon hat, dass das Denken in anderer Weise verwendet werden muss als im gewöhnlichen Leben -, der möchte dieses Denken unterdrücken, das Denken unterdrücken in einem unbestimmten inneren, erfühlenden Leben, sodass dieses vernebelt wird, damit etwas Dunkel-Nebuloses in der Seele waltet. Gerade im Gegenteil sucht der wahre Geistesweg nicht dieses Denken auszulöschen, sondern er sucht dieses Denken in sich zu erkraften, sucht es bis zu seiner höchsten Energie zu bringen. Daher ist auch das, was die Seele durchgeistigt, nicht die dumpfe, nebulose, mystische Stimmung, die sich vor dem Denken fürchtet, gleichsam weil sie glaubt, dass sie in der Klarheit des Denkens — und für das gewöhnliche Denken hat sie recht -, weil sie fürchtet, dass die Seele nicht in wahrer Gestalt darin erscheinen kann, sondern das Denken wird [im wahren Geistesweg] gerade gesucht. Höchste Klarheit breitet sich aus immer mehr und mehr, indem der Weg der Seele also verfolgt wird bis dahin, wo das Denken sich gleichsam selber überspringt. So gelangt man, wenn man diesen Seelenweg verfolgt, dahin zu erkennen, was aus der geistigen Welt durch die Geburt - oder sagen wir Empfängnis - sich mit unserem physischen Organismus vereinigt hat; man lernt gleichsam zurückschauen auf das frühere geistige Erleben der Seele, das heruntergestiegen ist zum physischen Leben. Aber es ist eben verbunden mit diesem Erleben, das Erleben des Todes. Man lernt begreifen, dass, wenn man nur so hinschauen kann auf das geistige Leben, man zwar den Tod verstehen lernt, aber nicht mehr als den Tod; man lernt erkennen, dass gleichsam aus dem Geistigen heraus gewollt ist, dass sich ein geistiges Wesen physisch verkörpert, dass die Kräfte, die früher im Geistigen waren, physisch verbraucht werden, dass dieses Wesen zum Tode geführt wird, dass gerade in dem Abbau das liegt, worauf es die Entwicklung abgesehen hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1915-11-29","location":null,"word_count":378,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-29/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}