4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 70b/1915-11-29/p025 ·1915-11-29 · original (original)
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Aber man lernt nicht mehr. Man würde den Tod verstehen lernen, aber man würde noch nicht die ewigen Kräfte der Menschenseele erfassen können. Sie kann man nur erfassen, wenn man das innere, intime SeelenExperiment noch nach anderer Seite hin ausführt, nach der Seite des fühlenden Wollens. So wie das, wozu es das Denken bringt, nicht innerhalb des alltäglichen Denkens liegt, so liegt innerhalb des alltäglichen Wollens, durch das man seine Handlungen vollbringt, nicht alles, wozu man kommt, wenn man nun auch diesen Willen innerlich so erkraftet, dass man die Aufmerksamkeit auf das in diesem Willen gerade lenkt, worauf sie gewöhnlich nicht gelenkt wird. Wir wollen, wir führen unsere Handlungen aus im gewöhnlichen Leben. Gerade deshalb, weil wir aufgehen in den Handlungen, deshalb sehen wir nicht auf das, was sich im Willen - indem er sich entwickelt von unserer Kindheit an, während wir wollen -, ganz geheimnisvoll innerlich ausbildet. Wir können sagen: Wir erleben den Willen, aber im gewöhnlichen Leben schauen wir ihn nicht an; wir wenden die Aufmerksamkeit nicht hin. Ja, man muss sich erst schulen, man muss wiederum das innerliche Seelenexperiment machen, um zu entwickeln die Fähigkeit, so intensiv die Aufmerksamkeit auf den Willen zu lenken, dass man das erkennen könne, was darin liegt. Man erlangt dies besonders dadurch, dass man sich Augenblicke im Leben schafft, wo man die Aufmerksamkeit hinrichtet auf dasjenige im Willen, auf das sie gewöhnlich nicht gerichtet ist. Sagen wir: Man überblickt sein Tagesleben, man hat gewollt dieses oder jenes; jetzt blickt man hin rückschauend auf die Art und Weise, wie man sich verhalten hat. Man stellt sich bildlich selber dar; man denkt sich aus sich heraus, schaut sich an, vergegenwärtigt sich, wie die Absicht zu dem und jenem entstanden ist, schaut sich so in seinem Wollen an.

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