{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-29/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Auch solches innere Experiment kann nicht wirken, wenn man es einfach ein paar Mal macht. Es hängt natürlich von den Anlagen des Einzelnen ab - aber es muss immer wieder und wiederum betont werden. Wobei wieder gesagt werden kann: Es kommt nicht darauf an, dass man etwa viel Zeit dazu verwendet; nicht auf die Zeitlänge, sondern auf die Intensität kommt es an, die man entfaltet, auf das wirklich genaue, aufmerksame Verfolgen dieser Willensvorgänge. Da ist es besonders wichtig, dass man versucht, seinen eigenen Willen dadurch zu prüfen, dass man innerlich intim mit diesem Willen zusammenlebt, zum Beispiel dadurch, dass man sich im Geiste vorsetzt: Wenn du dir dieses oder jenes vornehmen würdest, wie würde das ganze Wesen, das in dir ist, damit übereinstimmen. Wenn man das InnereAbsichten-Haben, wenn man das Fühlend-VerbundenSein mit dem, was der Mensch erstreben kann, wenn man das innerlich abgezogen erlebt, dann macht man sich bekannt immer mehr und mehr mit dem Willen und dann macht man eine Entdeckung, die wiederum erschütternd ist. Man entdeckt nämlich jetzt wiederum einen inneren Menschen, der aber ganz anderer Art ist als der vorhin geschilderte - ja, die menschliche Natur ist sehr vielfältig! Man entdeckt jetzt, indem man den Willen anschaut, innerhalb desjenigen, was wollender Mensch ist, gleichsam einen fortwährend verborgenen inneren Zuschauer, man entdeckt ein neues inneres Bewusstsein, welches — wie der Keim in der Frucht - in unserem Wollen liegt. Im gewöhnlichen Leben haben wir davon keine Ahnung. Wir haben unser Ich-Bewusstsein! Das breitet sich aus über unsere Beobachtungen im Leben; aber indem wir unser Wollen überschauen wie geschildert, entdecken wir einen innerlichen Zuschauer, etwas, was geistig geradeso auf die innerlichen Verrichtungen unseres Wollens blickt, wie wir auf die Vorgänge unserer Umgebung. Einen neuen Bewusstseinsmenschen entdecken wir da. Und so, wie das erste Erlebnis deshalb erschütternd ist, weil es uns gewissermaßen an die Pforte des Todes bringt, ist dieses zweite deshalb erschütternd, weil es nicht anders in seiner Tiefe durchlebt werden kann als dadurch, dass man erkennen lernt die Natur des Leidens innerhalb der Welt. Man lernt erkennen, worauf das Leiden eigentlich beruht; man lernt es dadurch erkennen, dass man auf diesen Zuschauer, den man in sich hat, wirklich die Aufmerksamkeit hin zu lenken lernt. Denn dieser Zuschauer hat die Eigentümlichkeit, dass er immer auf uns blickt. Er ist ein anderer Mensch in uns, er sieht von seinem Bewusstsein auf unsere Willensentfaltung hin. Ich rede von einer Realität, von etwas, was wirklich im Menschen ist, und was immer mächtiger und mächtiger heranwächst, indem der Mensch durch sein Leben hindurch will. Man lernt erkennen also etwas, was hinter dem Wollen des Menschen ist, man lernt dieses eben durchaus als eine volle Realität erkennen, aber so, dass es eigentlich ebenso wenig zu tun hat mit dem Menschen, der da im Physischen lebt zwischen Geburt und Tod, wie das andere viel mit dem zu tun hat, was man als Endergebnis des Denkens kennengelernt hat. Wie dieses abbauende Kräfte gestaltet enthält, also bei jeder Betätigung unseres physischen Menschen mitbeteiligt ist, ist dieser Zuschauer, der da gleichsam von hinten uns immer anschaut, niemals in der Lage, wirklich in das, was in uns vorgeht, einzugreifen. Er hat immerzu das intensivste Begehren, so zu sein, wie der Mensch ist, innerlich den Menschen auch so zu durchpressen wie der andere zweite Mensch; aber er kann von seinem Bewusstsein nicht eingreifen in unserer Organisation. Er will diese Organisation, aber er findet keinen Angriffspunkt innerhalb unseres Leibes.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1915-11-29","location":null,"word_count":568,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-29/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}