4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Nur muss selbstverständlich betont werden, dass das Darinnenruhen in der geistigen Welt von ganz anderer Art ist als das Ruhen in der physischen Welt darinnen. Stehen wir der physischen Welt gegenüber: Ihr Licht leuchtet in uns herein, ihre Töne auch, die Wärmewirkungen finden auf uns statt, die Wirkungen der Außenwelt setzen sich im Körper fort. Das, was die Natur mit uns macht, das erleben wir dadurch, dass wir eine geistige Wesenheit sind, die in den Körper eingehüllt ist. Indem wir in der geistigen Welt stehen, ist es notwendig, dass wir uns nicht also passiv nur hingeben, sondern das Darinnen-Stehen in der geistigen Welt fordert ein fortwährendes Tätigsein. Wir haben gesehen, dass man diese geistige Welt findet, indem man entwickelt eine Erkraftung des Denkens und eine gesteigerte Aufmerksamkeit für den Willen. Diese Tätigkeiten, die wir beginnen innerhalb des gewöhnlichen Seelenlebens, sie führen uns in die ewigen Kräfte des Seelenlebens hinein. Aber indem Sie drinnen sind, müssen Sie wirksam sein, tätig sein. Sonst, wenn wir nicht in der Lage sind, indem wir uns in unserem Ewigen fühlen, aktiv das Sein zu erleben, so entschwindet es uns, wenn wir es auch schon erhascht haben, so leicht, wie uns ein Traum entschlüpft. Denn dieses Traumleben ist im Grunde genommen kein anderes Leben als ein solches innerhalb des Wesenskernes, der durch Geburt und Tod geht, wenn sich dieser Wesenskern zurückzicht aus dem physischen Leibe; aber es ist dieses Traumleben ein zartes Gewebe, das Bilder hervorruft. Die Seele kann sich innerlich nicht so erkraften, dass sie voll durchschauen kann, was sie da im Traum erlebt. Wie die Seele nun mit dem Geistigen zusammenhängt in ähnlicher Weise, wie der Leib mit dem Physischen der Welt, das kann nun, wenn einmal die inneren, die seelischen Organe überhaupt erschlossen sind, so entwickelt werden zu einer Geisteswissenschaft, die die Welt als geistigen Organismus darstellt, wie die physische Wissenschaft als physischen Organismus. Dabei kann hingewiesen werden auf meine «Geheimwissenschaft» oder meine «Theosophie». Oder wenn Sie ein kürzeres Büchlein haben wollen, so verweise ich auf die sehr verdienstvolle Schrift Ludwig Deinhardts: «Wer ist Mephistopheles?», wo Sie einen kurzen Auszug finden von dem, was Geisteswissenschaft ist.
Cite:
GA 70b/1915-11-29/p032 · edition original