4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft
Heute tritt uns ja in unserer unmittelbaren Gegenwart eines von den vielen Rätseln entgegen. Und weil es uns entgegentritt, so sei über dasselbe anhangsweise zu diesem Vortrage noch gesprochen am Schluss. Ich spreche über dieses Rätsel, indem ich weiß, dass selbstverständlich unter den verehrten Zuhörern viele sein können, die, wenn man nun auf solche Einzelheiten eingeht, die Sache, die ja schon im Allgemeinen recht phantastisch gefunden werde kann, als der Gipfelpunkt der Phantastik gefunden werden kann; allein der Geistesforscher kann sich durch solche Dinge nicht abhalten lassen. So wie die Menschheit - selbst große Geister - es als den Gipfel der Phantastik angesehen hat, als die Anschauung in die Welt getreten ist, die Erde bewege sich um die Sonne; und wie die Menschen, die das als wilde Phantastik betrachtet haben, sich daran gewöhnt haben, es ernst zu nehmen, so geht es mit aller Wahrheit. Heute wird es noch als Phantastik gelten müssen, dass etwas Ähnliches wie mit jenem, nun auch mit dem geistigen Weltenall des Menschen geschehen soll. Da war an der Spitze der neueren Weltanschauungen es die Aufgabe derer, die den neuen Impuls zu geben hatten, zum Beispiel hinzuweisen darauf: Man hat gesagt, da oben begrenzt das Firmament den äußeren Raum; aber da ist gar nichts da oben. Das macht ihr selber nur. Die Begrenztheit des Schauens ist es. Jenseits jener nicht vorhandenen Grenze geht der Raum, der ausgefüllt ist, weiter. Wie dazumal das räumliche Firmament weggeräumt worden ist, so wird durch die Geisteswissenschaft das zeitliche Firmament weggeräumt, indem gezeigt wird, dass nur menschliche Bedingtheit des Anschauens zu diesem zeitlichen Firmament führt. Da ist gar nichts. Das geistige Firmament geht hinaus in die zeitliche Unendlichkeit. Der Mensch schreitet durch wiederholte Erdenleben. Man muss schon auf den Gang, den die Wahrheit durch die Menschheitsentwicklung geht, hinschauen, wenn man Kraft finden will, das zu vertreten, was den Denkgewohnheiten widerspricht. Aber derjenige, der den Gang der neueren naturwissenschaftlichen Entwicklung kennt, der wird solche Kraft finden können und wird überzeugt sein können, dass selbstverständlich von Torheit, Träumerei, wilder Phantastik geredet wird, wenn solches geltend gemacht wird, wie heute hier. Aber dieses Schicksal hatten ja auch die naturwissenschaftlichen Ergebnisse, und das Schicksal werden auch die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse haben. Sie werden auch zu einer Selbstverständlichkeit werden. Wie man von vielen Welten heute spricht, wird man von wiederholten Leben des Menschen sprechen als einer Wahrheit, die gegründet ist auf geistiger Beobachtung, welche in der geschilderten Weise erlangt werden kann.
Cite:
GA 70b/1915-11-29/p036 · edition original