{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1915-11-29/p045","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich versuchte gestern auseinanderzusetzen, wie innerhalb des deutschen Volkes in seiner großen idealistischen Zeit, wo der Schauplatz der Gedanken hervorgeholt worden ist aus den tiefsten Anlagen der menschlichen Natur, wie in dieser Zeit die größten Persönlichkeiten der Deutschen, die hervorgetreten sind - nicht nur indem sie ihr Individuelles zur Entfaltung gebracht haben, sondern so recht aus der Volkssubstanzialität geschaffen haben -, einen Weg gewiesen haben dem Volke in die geistigen Welten hinein. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht darauf ankommt, das Ergebnis, zu dem diese idealistischen Denker und Dichter gekommen sind, dogmatisch zu nehmen, sondern darauf zu schauen, wie sie die Kräfte, die im Volke liegen, heraufzubringen suchten. Da erscheint uns dann der Weg, den wir gestern charakterisieren konnten, der sich uns dargestellt hat, wie der Weg, den das deutsche Volk selber genommen hat zum Schauplatz der Gedanken hin, er erscheint uns selber wie ein innerer Geistesweg, auf dem das Volk hinauszukommen versucht aus dem, was in der Alltäglichkeit erlebt werden kann, um über sich hinaus zu Kräften zu kommen, die mit dem Ewigen zusammenhängen! Meditation nennt die Geisteswissenschaft diesen intimen inneren Seelenweg, der in der Konzentration auf das Innere in zweifacher Weise durchgemacht wird. Schen wir nicht fast, wenn wir Fichte so auffassen wie gestern, in Fichte alle Aufmerksamkeit auf die Willensentfaltung so hinlenken, wie wir heute davon gesprochen haben? Und wenn man Fichtes späte Vorlesungen, die er vor seinem Tode gehalten hat, liest, dann findet man, wie er wirklich spricht von einem solchen höheren Bewusstsein, wie er spricht von einem höheren Sinn, der sich eröffnet, von einem Bewusstsein, das den gewöhnlichen Menschen begleitet. Da haben wir die eine Seite der Meditation. Die andere Seite der Meditation haben wir zum Beispiel in Hegel. Wir haben da die Anstrengung, im Denken die Welt zu ergreifen. Hegel hat die Anstrengung gemacht, das Denken dahin zu führen, wo es, sich selber überwindend, dem Menschen die abbauenden Kräfte zeigt. Daher erscheint bei Hegel auch das äußere Leben in seinem Verlauf Gedankenbild an Gedankenbild sich gliedernd. Sodass die eigentlichen ewigen Kräfte der Menschennatur nicht innerhalb dieser deutschen Philosophen hervortreten; aber wir sehen den Weg dahin. So sehen wir, wie das deutsche Volk in dieser Zeit, im achtzehnten, im neunzehnten Jahrhundert, selber meditiert. Das deutsche Volk vor dem Forum der Weltgeschichte meditierend, so steht es vor uns.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Die ewigen Kräfte der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1915-11-29","location":null,"word_count":384,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p045","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1915-11-29/p045"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1915-11-29/p045","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}