5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Was ich Ihnen heute zu sagen habe über Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele, wird in unserer Zeit keineswegs geeignet sein, unmittelbar, von vornherein Überzeugung hervorzurufen. Einer solchen Illusion gibt sich auch derjenige nicht hin, welcher vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus spricht, wie Geisteswissenschaft hier gemeint ist. Handeln kann es sich vielmehr nur um Mitteilungen, die gemacht werden zur Anregung, Mitteilungen über eine Forschungsmethode, welche glaubt, mit derselben Gewissheit, mit derselben Sicherheit über das seelische Leben, seinen Sinn und seine Bedeutung im Weltenall etwas sagen zu können, wie die neuere Naturwissenschaft etwas ausspricht über die Zusammenhänge der Naturkräfte, die Bedeutung dieses oder jenes Naturgeschehens im ganzen Weltenzusammenhange. Gerade weil Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, gewissermaßen so für das geistige Leben eine Fortsetzung der Naturerrungenschaften, der Vorstellungsart, man könnte auch sagen, der Forschergesinnung ist, welche durch naturwissenschaftliche Weltanschauung im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte in die Menschheitsentwicklung sich eingefügt hat. Allein da diese Geisteswissenschaft ihr Gebiet sucht in den geistigen Welten, so ist es notwendig, dass ihre Wissenschafts-, ihre Forschungsmethoden ganz andere sind, als die Forschungsmethoden und die Forschungsweise für die naturwissenschaftliche Anschauungsweise sind. Gerade damit diese Geisteswissenschaft gewissermaßen die Schwester sein könne der Naturwissenschaft, muss sie, weil ihr Gebiet ein so verschiedenes ist, andere Wege, andere Methoden einschlagen. Und so werden denn die Methoden, die Wege, welche ich Ihnen zu schildern habe, zunächst sich durchaus unterscheiden von denjenigen Wegen, den Methoden, welche durch äußere Hantierung, durch äußere Handlung, der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen suchen. Aber die Gesinnung ist dieselbe.
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p004 · edition original