5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Und, sehr verehrte Anwesende, die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sie ist wirklich nur möglich - ich möchte sagen -, nachdem das ganze naturwissenschaftliche Denken drei bis vier Jahrhunderte der Menschheitsentwicklung sich einverleibt hat, der geistigen Entwicklung der Menschheit sich einverleibt hat. Sie kann im Grunde genommen aus ähnlichen Gründen erst herauftreten, aus denen die Galilei’schen, die Giordano Bruno’schen, die Kepler’schen Errungenschaften in ihrer Zeit erst auftreten konnten. Aber dasjenige, was durch diese Geisteswissenschaft für die Gegenwart und für die Zukunft in einer gewissen Weise gefunden werden muss, das hat immer die Menschenseele beschäftigt. Ich kann in ausführlicher Weise jetzt nicht darüber sprechen, weil es zu weit führen würde, in welcher Weise man etwas, was dieser Geisteswissenschaft ähnlich ist, in früheren Epochen zur Menschheitsentwicklung getrieben hat. Es ging viel unbewusster vor sich, viel instinktiver vor sich, möchte man sagen, wenn ich ein ungenaues, aber doch bezeichnendes Wort wählen darf. Aber aus den Kräften, welche eben die Menschen damals hatten - welche nicht die Kräfte waren, die gewissermaßen für die Menschheitsentwicklung jetzt beginnen -, kamen die Menschen auch schon zu jenem Punkte, den ich jetzt meine, wo man gleichsam am Eingangstore steht in die geistige Welt. Und sie bezeichneten das Erlebnis, das man nun hat - hat an dem Punkte, den ich bezeichnet habe, auch noch heute hat und haben muss -, sie bezeichneten dies, sehr verehrte Anwesende, mit einem Wort, das man wirklich versteht, wenn man die entsprechenden Erlebnisse durchgemacht hat, mit einem schwerwiegenden Worte. Sie sagten: Die Menschenseele kommt in einem bestimmten Punkte ihrer Entwicklung, bevor sie eintreten kann in die geistige Welt, an die «Pforte des Todes».
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p026 · edition original