5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Geisteswissenschaft ist in vollständigem Einklange mit der Naturwissenschaft - gerade mit demjenigen in der Naturwissenschaft, sehr verehrte Anwesende, was im Großen und Ganzen Ausbreitung gewinnen wird. Nicht steht Geisteswissenschaft auf dem Standpunkt, dass das Denken, so wie es im gewöhnlichen physischen Leben ausgeübt wird, kein körperliches, kein physisches Instrument braucht. Es braucht ein physisches Instrument. Das heißt: Es braucht, dieses gewöhnliche Denken braucht überall, wo es auftritt, physische Vorstellungen, die sich vollziehen. Das aber sind Abbauvorstellungen. Und in dem Augenblicke, wo man durch die Meditation dahin gekommen ist, das Denken bis zu einem solchen Akte zu [bringen], wie ich ihn geschildert habe, dass man [ablösen] kann die Gedanken, dass man durch das Denken das Denken selber ausbildet, in dem Augenblicke liegt einem mit voller Klarheit vor Augen, wie gerade das gewöhnliche physische Denken an das leibliche Werkzeug - das heißt an die Abbaukraft, an die todbringende Kraft - des gewöhnlichen Gedächtnisses gebunden ist. Man steht — das ist ein inneres Erlebnis - man steht an der Todespforte. Man weiß jetzt, was es heißt: Es gibt im Innern der Seele Kräfte, die sich trennen können von dem Leiblichen, die aber, indem sie sich trennen, auch hinschauen müssen auf dasjenige, was im Leibe todbringend ist.
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p029 · edition original