5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Wie ich selber einmal in einer solchen Lage war, da trat so lebendig vor meine Seele, wem eigentlich etwas Bestimmtes an dieser Tätigkeit zu danken ist. Vor Jahren, sehr verehrte Anwesende, starb eine befreundete Persönlichkeit, die im Leben einem nahe gestanden war, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Seelenentwicklung voll künstlerisch war. Sie ist durch die Pforte des Todes gegangen. Mit einer Seele, mit der man im Leben in Verbindung gestanden hat - so lehrt die Geisteswissenschaft -, man bleibe mit ihr in Verbindung, ob es nun unbewusst ist, wie es für den Nichtgeistesforscher sein muss, oder bewusst, wie es für den Geistesforscher werden kann. Nach Jahren, als eine bestimmte Tätigkeit, in der gerade einlaufen konnte dasjenige, was diese andere Persönlichkeit zu den eigentümlichen Kräften ihrer Seele zählte, von mir zu erfüllen war, da wusste ich: In alle dem, was ich da vollbringen, vollziehen konnte, lebt dasjenige, was hinunterströmt von jener Seele! - Allerdings, um das zu beobachten, sehr verehrte Anwesende, gehört dazu, dass man alle Kriterien anzuwenden vermag. Selbstverständlich weiß ich, dass der Naturforscher oder derjenige, der eine naturwissenschaftliche Weltanschauung allein schätzt, sagen kann: Na ja, das ging in deine Seele über; das trat dann aus deiner Seele heraus. - Solange kann man so reden, als alle Anwendung nebulos bleibt. [Wenn man aber so die Kräfte von der verstorbenen Seele anschlagen sieht wie ein Einströmen in die gesteigerte Willenskraft und diese dann ins Bewusstsein hebt, wenn man das so ansieht], es anschaut, wie man anschaut dasjenige, was man vor Augen hat, als erlebte Wahrheit, dann, sehr verehrte Anwesende, dann gibt es kein Leugnen der geistigen Welt und des Zusammenhängens der menschlichen Seele mit ihr, ebenso wenig, wie es eine Möglichkeit gibt, die äußere physische Welt zu leugnen, wenn man sie mit Augen sieht.
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p070 · edition original