5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Es haben sich viele Irrtümer, viele Missverständnisse gerade über diesen Dornacher Bau verbreitet. Missverständnisse, Irrtümer, von denen man manchmal glauben könnte, selbst Menschen, die die Sachen gesehen haben, zeigen sich so, als wenn ihre Augen nicht das gesehen hätten, was da ist! So konnte ich hören, wie gesagt worden ist, dass man da einen Bau habe, der innerlich ganz angefüllt sei von allerlei geheimnisvollen Symbolen und von allerlei magischen Figuren. Wie gesagt: Wenn Sie einmal die Aufmerksamkeit auf diesen Bau lenken werden und werden ihn betrachten, so werden Sie kein einziges von den landläufigen magischen Symbolen und Figuren finden, nichts von alledem - nur eine neue Art des Bauens, eine solche Art des Bauens, dass der Bau gleichsam eine Umhüllung für dasjenige ist, was darinnen an Gedanken, an Ideen leben soll. Und wie frühere Baue die Umhüllung waren für Früheres, so muss dieser Bau auch andere Formen haben, weil er die Umgebung für anderes ist. Wie einstmals im alten Griechentum für griechische Gedanken die Umhüllung geschaffen worden ist aus dem Umfassenden, das den Griechen zur Verfügung stand, so wurde mit unserem Bau hier etwas geschaffen, und zwar nicht auf eine unkünstlerische Art und Weise - denn jede Allegorie und Symbolik und dergleichen ist unkünstlerisch -, nicht auf eine unkünstlerische, sondern auf eine künstlerische Art wurde versucht, einen Bau zu schaffen mit dem Stile, der dieser Geisteswissenschaft angemessen ist. Denn diese Geisteswissenschaft kann sich in Formen gießen, kann sich ausleben, ohne dass sie dadurch spekulieren will. Ohne dass dabei Symbole oder Allegorien sind, kann sie in Formen umgesetzt werden bei allem. Bei künstlerischem Empfinden, [kann man dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, in äußere Formen aller Künste - der Architektur, der Sprache, der Skulptur - umsetzen.]
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p090 · edition original