5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele
Deshalb lassen Sie mich - ich möchte sagen - in einem Schlusswort das Bewusstsein aussprechen, das der Seele aus dieser geistigen Forschung kommt, wenn sie richtig darinnen steht. Vorher aber lassen Sie mich noch darauf aufmerksam machen, dass man keineswegs ein Geistforscher zu sein braucht, um die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anzuerkennen. So wie nicht jeder ein Chemiker werden kann, das heißt, nicht jeder im Laboratorium Versuche anstellen kann, nicht jeder ein Biologe werden kann, um das nachzuprüfen, und dennoch die biologischen, die chemischen, die physiologischen, die astrologischen Wahrheiten dem allgemeinen Menschheitsbewusstsein sich mitteilen, so braucht nicht jeder ein Geistforscher zu sein; obwohl man es bis zu einem gewissen Grade — wie Sie aus meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» sehen - immer werden kann, jeder wenigstens bis zu einem gewissen Grade, dass er die Wahrheit, die Begründetheit desjenigen, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, anerkennen kann; aber man braucht prinzipiell nicht selber ein Geistforscher zu werden. Dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt herausholt, wenn es ausgesprochen wird, wenn es in die Worte gekleidet wird, [so kann es auch dem Nicht-Geistesforscher gelingen, das, was von ihm nachgedacht werden konnte in dem, was vermittelt worden ist, anzuerkennen]; und es gibt einen gesunden Wahrheitssinn, durch den man die Wahrheit der geisteswissenschaftlichen Erlebnisse einsehen kann. Deshalb darf derjenige, der von vornherein unter der Autorität aller möglichen heutigen naturwissenschaftlichen Wahrheit steht - trotzdem er sie selber nicht erforschen kann, und sagt, dass er ein sehr gescheiter Mensch deshalb ist, weil einer an die naturwissenschaftlichen Wahrheiten glaube -, der darf nicht einwenden, dass diejenigen, welche, wenn sie auch nicht Geistesforscher sind, sondern Anhänger der Geisteswissenschaft, dass diese abergläubisch, autoritätsgläubig sind! Sie sind es in einem geringeren Grade, als gerade derjenige, der einfach sie als Autoritätsgläubige bezeichnet. Denn dasjenige, was aus der geistigen Welt geholt wird, das spricht nicht an unseren Unverstand, sondern es spricht an unser Verständnis. Und das habe ich ja gerade im Anfange gesagt, dass man eben die geistige Welt zuerst verstehen muss; man muss sie anschauen können. Und dieses Verständnis kann zuerst in der Mitteilung doch erworben werden. Es ist gewissermaßen der erste Akt zum Hineinkommen in die geistige Welt.
Cite:
GA 70b/1916-01-08/p095 · edition original