{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-01-14/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Heute möchte ich gerade auf diese verschiedenen möglichen und, wie Sie sehen werden, durchaus begreiflichen Einwendungen ein wenig eingehen. Ich versuchte vorgestern zu zeigen, dass in der Tat der Geistesforscher zu der Überzeugung kommt, dass in die geistige Welt vonseiten der Menschenseele eingedrungen werden kann, dass aber diese Überzeugung sich so herausbildet, dass zugleich die Einsicht mit ihr verbunden ist, dass es nicht dieselben Seelenkräfte, dieselben Erkenntnisfähigkeiten sein können, die in die geistige Welt hineinführen, welche die menschliche Seele dahin bringen, in die Sinneswelt und alles dasjenige, was sinnlich zu ihr gehört, einzudringen; dass es vielmehr notwendig ist für den Geistesforscher, aus dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen, wie sie das Alltagsleben und die gewöhnliche Wissenschaft kennen und beherrschen, erst etwas herauszubilden, heraus zu entwickeln an anderen Seelenfähigkeiten, an anderen Seelenereignissen, durch die dann die Seele befähigt wird, sich lebendig in die geistige Welt hineinzutragen, und auf diese Weise erwas zu erhalten, was man Geisteswissenschaft nennen kann. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass es zunächst notwendig ist, dasjenige, was man Denken, was man Vorstellen nennt, in einer ganz bestimmten Art zu üben, sodass sich aus dem gewöhnlichen Denken, aus dem gewöhnlichen Vorstellen etwas ergibt, das nicht mehr einerlei ist mit diesem gewöhnlichen Denken und Vorstellen, sondern etwas anderes geworden ist, das vor allen Dingen dadurch sich unterscheidet von dem gewöhnlichen Denken und dem gewöhnlichen Vorstellen, dass es sich erlebt, erkraftet, um nun nicht bloß wie dieses gewöhnliche Denken in Bildern sich zu erheben, sondern in Realität sich zu erleben. Dieser Übergang von dem Sich-Erheben der Seele in den Bildern, wie das beim gewöhnlichen Denken im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft der Fall ist, dieses Sich-Erheben in Bildern muss verwandelt werden in ein Sich-Erleben in realer Wesenheit. Damit entdeckt man in der Tat, wenn man ces erreicht hat, etwas, was die Seele vorher nicht kennen kann, wovon sie sich nicht einmal eine Vorstellung machen kann; denn es geht das in alle gewöhnlichen Vorstellungen nicht hinein, sondern muss eben unmittelbar erlebt werden, wenn es zum Bewusstsein kommen soll, trotzdem es fortwährend in jeder Seele vorhanden ist. Dadurch - sagte ich vorgestern - gelangt die Seele dahin, durch die Erkraftung, durch die Verstärkung des Denkens sich auf der einen Seite herauszuheben aus der Leiblichkeit, unabhängig zu werden von der Leiblichkeit und eben sich in einer Realität zu erleben, sodass sie weiß: Du bist jetzt mit Deinem Denken aus Deinem Leib herausgetreten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach","site_heading":null,"date":"1916-01-14","location":null,"word_count":400,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-01-14/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 288/1916-01-14","ga":"288","lecture":"1916-01-14","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}