{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-01-14/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun sagt der Geistesforscher weiter: Wir stehen heute in jener Zeit, in welcher in einer ähnlichen Art die Menschenseele in das geistige Leben hineinzublicken in die Lage kommen müsse, wie man vor drei bis vier Jahrhunderten in die Lage gekommen ist, in die Vorgänge und Wesenheiten des rein Natürlichen hineinzublicken. In der Art der Wahrheitsgesinnung, in derselben Art der Forschungsgesinnung möchte Geisteswissenschaft in das geistige Gebiet eindringen, wie die Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten in das Naturgebiet eingedrungen ist. Und man kann sagen: Mit manchen Persönlichkeiten teilt ja Geisteswissenschaft diese Überzeugung, aber so, dass gerade bei vielen Persönlichkeiten, welche auch den gewaltigen Umschwung durch die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise einsehen, dieses Verhältnis zwischen Geistbetrachtung und Naturwissenschaft doch anders angesehen wird, als der Geistesforscher es ansehen muss. So kann man zum Beispiel ersehen, wie Philosophie, die ja auch eindringen will in das geistige Gebiet durch dieselbe Begriffswelt - nicht durch die geisteswissenschaftliche Begriffswelt, von der ich vorgestern gesprochen habe, sondern durch jene Begriffswelt, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft angewendet wird -, die durch diese Begriffswelt in das geistige Gebiet eindringen will, diese Philosophie hat sich vielfach gezwungen gesehen, in der neueren Zeit unter dem Einflusse, möchte ich sagen, des Glanzes der naturwissenschaftlichen Betrachtungen, den Weg einzuschlagen, dass die naturwissenschaftlichen Wahrheiten genommen wurden, dass das einfach aufgefasst worden ist, was der Naturforscher ergründet hat über die Wesenheiten der Natur und über die Tatsachen dieser Natur. Und dann versuchte man durch allerlei Begriffsverbindungen, durch Nachdenken über dasjenige, was die Naturwissenschaft erkundet hat, tiefer einzudringen in das Wesen der Erscheinungen. Man fühlte sich gleichsam der Natur und der Welt gegenüber philosophisch jetzt nicht mehr so souverän wie früher; man fühlte, man müsse rechnen mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Eigentümliche vieler Persönlichkeiten, die in dieser Weise naturwissenschaftliche Betrachtungsart schätzen wollten, liegt darinnen, dass diese Persönlichkeiten sich sagen: Man muss die Ergebnisse der Naturforschung hinnehmen; man muss das, was die Naturforschung über die Natur und ihre Geschehnisse offenbart, einfach philosophisch verarbeiten. Dann wird man dasjenige erkennen, was sich tiefer ergründen lässt über die Welt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach","site_heading":null,"date":"1916-01-14","location":null,"word_count":340,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-01-14/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 288/1916-01-14","ga":"288","lecture":"1916-01-14","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}