8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach

GA 70b/1916-01-14/p010 ·1916-01-14 · original (original)
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Geistesforschung nimmt nun nicht den Ausgangspunkt davon, die naturwissenschaftlichen Tatsachen unmittelbar zu nehmen, sondern sie baut auf dasjenige, was sich durch eine andere Übung der Seelenkräfte im Laufe der Jahrhunderte die Seelenkräfte selber angeeignet haben. Ein Mensch, der durchgegangen ist durch naturwissenschaftliches Denken, durch Physik, durch Chemie, durch Biologie, durch Physiologie, der denkt dadurch, dass er sich die Methoden, die Denkformen dieser Wissenschaften angeeignet hat, anders als ein Mensch, der durch diese Wissenschaften, wie sie die neuere Zeit gestaltet hat, nicht hindurchgegangen ist. Also auf die Art, wie das Denken geübt wurde in der neueren Zeit, darauf sieht zunächst Geistesforschung. Und da wird sich Geistesforschung klar darüber: So wie da das Denken geübt wird, so muss es allmählich hinzielen durch das, was es in dieser Übung erlebt, hinzielen auf das, was vorgestern als besondere Denk- und Willensübung geschildert worden ist. Also nicht, was man erforscht hat durch die Naturwissenschaft, wird in ein Verhältnis gestellt von dem Geistesforscher zur Geistesforschung, sondern welches innere Bewusstsein von diesen Verrichtungen man sich angeeignet haben kann, das ist es, worauf besonderer Wert gelegt ist; wie man anders denken, wie man anders sich in der Natur fühlen gelernt hat, wie angeregt worden sind die Seelenkräfte. Und da sagt der Geistesforscher: Diese Anregung ist eben der Anfang zu einem Weg; denn, wenn man ihn dann weiterverfolgt - er hat selbst zu dem geführt, was vorgestern hier geschildert worden ist —, dass man daraus ersehen kann, dass man wirklich dazu geführt wird, durch Übung des Denkens, Fühlens und Wollens selber etwas in der Seele zu ergreifen, was sich von der leiblichen Organisation loslösen kann.

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