{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-01-14/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es entstehen Missverständnisse begreiflicherweise noch durch vieles, vieles andere. Auf ein Missverständnis, das in durchaus verständlicher Art entstehen muss, möchte ich nunmehr hinweisen. Der Geistesforscher muss sprechen davon, wie wir vorgestern gesehen haben, dass durch das, was er mit der eigenen Seele vornimmt, die Seelenkräfte umgeändert werden, dass eine andere Art der Seelenverrichtung, als die des gewöhnlichen Lebens und der gewöhnlichen Wissenschaft, in seiner Seele auftritt. Da muss derjenige, der zunächst erst auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, sich sagen: Nun ja, wenn sich aus dem Seelenleben, das wir als das normale bezeichnen können, ein anderes Seelenleben heraushebt — das kennt man ja; das sind alle die abnormen Seelenerscheinungen, die man kennt unter den verschiedensten Namen, und von denen sich auch nur durch eine Selbsttäuschung dasjenige unterscheiden kann, was da auf willkürliche Weise der Geistesforscher mit seiner eigenen Seele herbeiführen will. Da weist uns der Naturforscher dann vor, wie gewisse Seelenverrichtungen des normalen Lebens eng gebunden sind an ein normales Gehirn; er weist uns das eben gerade durch die sichere, durch die gewissenhafte naturwissenschaftliche Methode auf, wie mit dem Ausschalten gewisser Gehirnteile geistige Verrichtungen wegfallen, und er zeigt uns da, wie geistige Verrichtungen, wie das ganze Seelenleben, die ganze Seelenstimmung durch ein körperliches Verändern anders werden kann. So kann der Naturforscher dann dem Geistesforscher erwidern: Ja, wird denn durch jene sonderbaren Übungen, von denen Du als ein sonderbarer Schwärmer sprichst, eben nichts anderes erreicht, als ein — wenn auch äußerlich, anatomisch nicht nachweisbares - Verändern der körperlichen Organisation? Und ist denn nicht im Grunde genommen dasjenige, was Du geistesforscherische Methoden nennst [mit] anderen Seelenkräften, nichts anderes, als eine besondere Art der Erkrankung des Seelenlebens überhaupt?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach","site_heading":null,"date":"1916-01-14","location":null,"word_count":275,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-01-14/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 288/1916-01-14","ga":"288","lecture":"1916-01-14","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}